Wie alles begann
Das Glück könnte kaum größer sein... Nach einer Traumhochzeit hatten wir die Vision, eine Familie mit zwei Kindern zu gründen! Idealerweise sollten 2 Jahren zwischen beiden Kindern liegen, aber die Realität sah doch etwas anders aus.

Nachdem Yannicks Schwangerschaft doch recht turbulent war und sie wegen des HELLP- Syndroms beendet werden sollte, stellte sich schon die Frage, ob man es wagen konnte, ein zweites Kind zu bekommen... Die Entscheidung war nicht leicht zu treffen.

Viele Gespräche mit Ärzten und Untersuchungen in Spezialkliniken gaben uns schließlich ohne Bedenken grünes Licht, noch ein Kind bekommen zu können... Inzwischen waren auch schon einige Jahren ins Land gegangen, bis zu dem Tag, als ich endlich schwanger war...

Das Glück war sehr groß, bis eines Tages Blutungen auftraten und es „Fehlgeburt“ hieß.
Nach so einer langen Zeit des Wartens brach eine Welt für mich zusammen. In so einem Moment helfen auch keine nett gemeinten Sprüche wie „So was passiert vielen Frauen“ oder „Die Natur macht das schon richtig so, wer weiß wofür es gut ist“ usw...

Mir ging es dann am besten, wenn ich mich zurückgezogen, mit niemanden gesprochen und niemanden gesehen habe. Für einen Außenstehenden vielleicht schwer zu verstehen, aber das war für mich in dem Moment das Beste, auch im Nachhinein...

Nun standen wir wieder am Anfang...
Bis zu dem Tag im Juli, als ich es in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3 Uhr nicht mehr aushalten konnte und einen Schwangerschaftstest machte! Eigentlich war es noch zu früh für einen Test, aber da wir montags in den Urlaub fahren wollten, sollte es ggf. vorher geklärt werden.

Der Test war positiv und ich hätte die ganze Welt umarmen können...
Natürlich musste ich Bernd wecken, um ihm die Nachricht zukommen zu lassen... Der Arme war Schützenfest feiern und wusste somit am nächsten Tag nicht wirklich, ob er es geträumt hatte oder ob es Wirklichkeit war!

Ja, es war kein Traum -  sondern die Realität...
Ich würde behaupten, dass es eine relativ normale Schwangerschaft wurde! Ich habe sehr auf meine Ernährung geachtet, da es das „ HELLP“ positiv beeinflussen sollte.

Verschiedene Untersuchungen wurden im Laufe der Schwangerschaft gemacht und alles war in Ordnung.

Als wir allerdings für ein Wochenende in Hamburg waren, endete unser Ausflug in der Uniklinik mit einer Thrombose. Etwas heikel zu behandeln, damit uns beiden nichts passiert, aber es ging alles gut! Nach ein paar Tagen durfte ich wieder nach Hause und wurde in Hamm weiter betreut. Später wurde ich auch dort in der Schwangerschaft begleitet, da es sich um eine Risikoschwangerschaft handelte.

Alle 2 Wochen musste ich  zur Kontrolle nach Hamm, es war alles bestens!
Weihnachten verbrachten wir in Deutschland, dafür kam meine Familie zu Besuch, was auch sehr schön war!

Uns ging es gut und wir freuten uns einfach...
Am 29. Dezember ging es noch einmal nach Hamm! Ab da sollte ich nun jede Woche kommen um die Durchblutung engmaschiger zu kontrollieren, und bekam schon 5 Tage später den nächsten Termin am 3. Januar 2006...

Diesen Tag werde ich nie vergessen... Es war einen Dienstag!
Bernd hatte noch Urlaub, meine Eltern und meine Patentante waren auch da!
Am Tag zuvor hatten wir Weihnachten nachgefeiert und die Bescherung nachgeholt.
Am Dienstagmorgen sind wir drei Frauen dann zur Untersuchung und zum Ultraschall nach Hamm gefahren...

Ich freute mich schon, ihnen das Baby auf dem Bildschirm in 3D zeigen zu können.
Leider kam es aber gar nicht dazu, denn der Arzt entdeckte direkt etwas, als er sich das Köpfchen anschaute.

Meine Familie wurde rausgeschickt, der Chefarzt rief noch einen anderen Arzt dazu und ich war total nervös...

Was war los? Keiner sagte etwas, es war einfach furchtbar, ein Horror, ein Albtraum.
Ich musste schließlich zur weiteren Abklärung nach Bonn...
Bernd wurde informiert und machte sich direkt auf den Weg nach Hamm, löste meine Familie ab, die wieder nach Hause zurückfuhr.

Wir machten uns somit direkt auf den Weg nach Bonn... Es war alles anders geplant und die Stimmung im Auto war sehr bedrückt... Die Tränen liefen,  wir konnten kaum reden. Die Fahrt dauerte eine Ewigkeit...

Fragen über Fragen...Was erwartet uns? Wie soll es weitergehen?
Der Professor erwartete uns schon, er war schon informiert.
Ich fand ihn nicht sehr freundlich und nichts zu erfahren, machte einen einfach wahnsinnig...
Immer mehr Ärzte kamen hinzu. Es schien etwas Auffälliges zu sein, etwas Ungewöhnliches, womit erst einmal keiner was anfangen konnte.
Zumindest wurde uns dieser Eindruck vermittelt!

Leider war dann aber nichts mit nach Hause gehen...
Ich wurde stationär aufgenommen um ein paar Tage beobachtet zu werden.
Mir ging es sehr schlecht. Am gleichen Abend kam der leitende Oberarzt von der neonatologischen Intensivstation. Er war sehr nett und aufbauend und gab mir wieder etwas Hoffnung und Kraft. Das habe ich in dem Moment wirklich gebraucht.
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Nun lag ich da in Bonn ... -  Aus ein paar Tagen wurden ein paar Wochen!
Auf meine Ernährung weiterhin zu achten, daran war nicht mehr zu denken. Ich hatte sehr große Angst, fühlte mich sehr alleine und weit weg von zu Hause!

Immer wieder wurden Untersuchungen gemacht, ich bekam plötzlich starke Wehen, die nicht in den Griff zu kriegen waren.
Plötzlich öffnete sich noch der Muttermund und der Gebärmutterhals verkürzte sich.
Jetzt musste ich nüchtern bleiben, denn nach ca einer Woche wurde überlegt, einen Kaiserschnitt zu machen. Bernd wurde informiert und machte sich direkt auf den Weg.

In der Zwischenzeit kam eine Ärztin und fragte mich ganz trocken, ob wir uns das gut überlegt hätten und das Kind auch wirklich bekommen wollten. Man könnte über die Bauchdecke eine Spritze geben, das Kind quasi damit umbringen, dann die Geburt einleiten und auf natürlichem Wege tot gebären.

Ich war total geschockt...
Für uns stellte sich diese Frage nicht!
Nun wurde doch gegen den Kaiserschnitt entschieden, da das Baby noch möglichst lange im Bauch bleiben sollte!

Ein Termin für einen Kaiserschnitt wurde allerdings für den 6. Februar festgelegt, falls es bis dahin noch nicht geboren wäre... Ab dem Zeitpunkt war das Risiko der Frühgeburtlichkeit zu verantworten.

So blieb ich die ganze Zeit in Bonn. Am 6. Februar wurde die Schwangerschaft sechs Wochen vor Termin unter Vollnarkose beendet und Noémie erblickte das Licht in dieser Welt!